Wenn ein IFMGA-zertifizierter Bergführer aus dem Vereinigten Königreich zum ersten Mal das Peaks of the Balkans Ski-Touring besucht, sind die Erwartungen naturgemäß hoch. Martin Chester hat umfangreiche Erfahrung als Guide in den Alpen und in ganz Europa. Dass er diese Reise als „eine der denkwürdigsten seiner Karriere“ bezeichnet, sagt viel darüber aus, was der Winter in den Balkans wirklich zu bieten hat.
Zwei Jahre nach seiner Teilnahme an einer Winter-Ski-Tour-Testschleife erinnert sich Martin noch an die Details jedes einzelnen Tages. Das allein erzählt schon die Geschichte.
Unsere Route begann in der Gacaferi Guesthouse und bildete eine Schleife durch den Kosovo und Montenegro, einschließlich Nächten in der Hrid Guesthouse und in Dobërdol. Es war nicht nur ein Skiurlaub. Es war eine vollständige Winterexpedition, die Ski-Touring, kulturelle Immersion, abgelegene Berghospitalität und ständig wechselndes Gelände kombinierte.
Martin verglich das Gelände mit den südlichen Alpen, wie Teilen von Piemont oder Queyras: bewaldete Hänge, abwechslungsreiches Gelände und Möglichkeiten für sowohl moderate als auch steilere Abfahrten. Besonders beeindruckt hat ihn, dass es selbst bei schlechter Sicht immer visuelle Orientierungspunkte gab – Bäume, Büsche, subtile Geländeformen –, die die Navigation erleichterten. Im Gegensatz zu hochglazialen alpinen Regionen sind die Peaks of the Balkans nicht vergletschert, was die Logistik vereinfacht und das objektive Risiko reduziert.
Ein wichtiger Punkt, den er in Bezug auf das Ski-Touring in den Peaks of the Balkans betonte, war die Flexibilität des Geländes. Man kann sicher von einer Guesthouse zur nächsten reisen, ohne zwangsläufig in komplexes Lawinengebiet zu gelangen. Für erfahrenere Skitourengeher gibt es jedoch immer steilere Hänge und zusätzliche Runden. An mehreren Tagen haben wir anstelle der kürzesten Linie von A nach B zusätzliche Auf- und Abstiege eingebaut, einfach weil Schnee und Gelände zur Erkundung einluden.
Dobërdol hinterließ einen besonders starken Eindruck. Im Winter wirkt es abgelegen und wild, fast wie eine verlassene Bergsiedlung. Doch in den Guesthouses herrschen Wärme, hausgemachtes Essen und die Art von Gastfreundschaft, die die Balkans auszeichnet. Martin sprach über den Kontrast zwischen dem Komfort familiengeführter Lodges und der rauen Bergumgebung draußen. Selbst kleine Details – wie lokale Kräutertees aus getrockneten Bergpflanzen – trugen dazu bei, die Erfahrung unvergesslich zu machen.

Natürlich hatte nicht jede Piste perfekten Schnee. In einem Tal hatte der Wind Teile des Hangs freigeweht. Aber das ist Ski-Touring in der modernen Zeit. Wie Martin sagte, hat der Klimawandel die Schneeverhältnisse überall unberechenbarer gemacht. Wichtig ist die Fähigkeit zur Anpassung. Auf der gegenüberliegenden Seite desselben Tals fanden wir jedoch einige der besten Schneeverhältnisse, die er je gefahren ist.
Er bemerkte auch, dass sich der Schnee auf dem Balkan etwas anders verhält als in den Alpen. Da die Region weiter südlich liegt, ist der Sonnenwinkel höher. Süd- und Osthänge können sich schnell in stabilen Frühjahrs-Schnee verwandeln, während schattige Nordhänge kalten Pulverschnee bewahren. Für einen professionellen Guide macht dies das Gelände „ehrlich“ und lesbar. Die Schneedecke entwickelt sich schnell, aber vorhersagbar.

Wir sprachen auch über die wachsende Präsenz von Cat-Skiing-Angeboten in der Region. Martin glaubt an Balance. Einige Täler eignen sich für mechanisierten Zugang, andere sollten für reines Ski-Touring bewahrt bleiben. Was die Peaks of the Balkans einzigartig macht, ist genau dieses Gefühl von Freiheit – mit Fellen unterwegs zu sein, die eigene Linie zu wählen und riesige Landschaften mit nur wenigen anderen Menschen zu teilen.
Eine wichtige Erkenntnis aus dem Gespräch war, dass diese Region nicht ausschließlich von perfektem Schnee abhängt, um erfolgreich zu sein. Immer mehr internationale Guides und Reisende suchen nach kompletten Abenteuerpaketen. Kulturelle Authentizität, abgelegene Gastfreundschaft, lokale Küche und bedeutungsvolle Reiseerlebnisse werden zunehmend genauso wichtig wie die Schneebedingungen.
Selbst wenn die Bedingungen nicht ideal sind, bleibt die Reise beeindruckend.
Für erfahrene Skitourengeher ist die Region dank ihres nicht vergletscherten Geländes und der relativ einfachen Navigation zwischen den Guesthouses auch ohne Guide zugänglich. Gleichzeitig ermöglichen geführte Touren eine tiefere Erkundung, steilere Ziele und lokale Einblicke.
Zwei Jahre später erinnert sich Martin noch an jedes Detail jeder Besteigung, jeder Abfahrt, jeder Guesthouse. Das ist vielleicht die stärkste Empfehlung, die man bekommen kann. Die Peaks of the Balkans im Winter sind nicht nur ein Ski-Ziel. Sie sind ein komplettes Bergerlebnis.